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Environment

Die klassisch ausgebildete Künstlerin (Restauration, Malerei) thematisiert im eingereichten Bilderzyklus ihre Wahrnehmung des Meeres und die Bedeutsamkeit der zunehmend erkennbaren Veränderungen. Selbst am Meer geboren und in der Hafenstadt Batumi aufgewachsen reflektiert Liana Nakashidze das Ufer und das Wasser ambivalent: grau-braun-lila ist die stille Strömung – an der Oberfläche bewegt sich nichts – unter der Wasserdecke bewegt sich alles:

Gestrandet der Unrat, den das Meer nicht weitertragen wollte, ausgespuckt aus Tiefen, in denen Tiere daran nicht verenden sollen. Im Verborgenen bleibt das Wasser lebendig – es kämpft.., das Leben seiner Bewohner zu schützen. Die konzentrierte Ansammlung von Plastik in den Oberflächenschichten des Wassers befördert die Malerin zutage: grell-farbig die Vielfalt der unnatürlichen Elemente.

Jeder weiß, dass Wasser lebensnotwendig ist – wie auch Luft und Licht. Unmittelbar darauf folgt bei Künstlern die Farbe auf Malgrund: Ausgangspunkt ist immer die Leere. Mit Farbe gestalten Kunstschaffende, suchen und finden Möglichkeiten, sich auszudrücken, zu experimentieren, Grenzen zu verschieben, Seele – ja, sogar Körperliches – einfließen zu lassen. Das aufgetragene Material wird für uns sichtbar durch Licht. Dadurch befördern insbesondere starke Künstler Verborgenes zutage. Die Kraft liegt in der Resonanz – einer Resonanz in anderen Menschen. Gute Kunst wirkt emotional und intellektuell – und löst oft auch den Wunsch nach Veränderung aus. Für Liana ist es Pflicht und Lust zugleich, ins Licht zu holen, was sonst oftmals im ‚blind spot‘, in der tabuisierten Dunkelheit liegt. In der Malerei aber gibt es keine Tabus. Es gibt nur Entschlossenheit, sichtbar zu machen, was beschäftigt. Zum Mensch-Sein gehören offensichtlich Fehlbarkeiten und eine gewisse Selbstsucht, die zumeist zerstörerisch wirken. Es gehört aber auch Menschlichkeit dazu, die vergibt und wiedergutmacht. Das reflektieren Lianas Bilder: sie sind sanft – in ihrer (An-)Klage ebenso wie in der Gnade. Sie weiß ganz generell, dass es nur hilft, aufzustehen und anzupacken, um eine Besserung herbeizuführen. Auffallend ist auch, dass dieses Bedürfnis bei Menschen mit mehr als einem Heimatort deutlich ausgeprägter ist:

Wahrscheinlich ist es eine Kombination aus empfundenem „Sehnsuchtsort“, was auch Reisende mit viel Respekt für andere Orte ausstattet, und der „Fremde“, in der sich Emigrierende Integrität und Zufriedenheit wünschen.

Figurativ spiegelt sich auch dies in den Arbeiten von Liana wider. Mystisch-einsam wirken die Charaktere am Ufer, ephemer wird die Natur von Erinnerungen thematisiert. Mit großen Flächen von Grau-Grün oder monochromen Blautönen werden Landschaften und Rückbesinnung komponiert: Vergangenes bildet die Kulisse, die auf leicht surreale Weise ihre (mahnende) Bedeutung im Jetzt findet.

Die Künstlerin setzt auf die Achtsamkeit jedes einzelnen Menschen. In ihr gibt es eine Hoffnung, die es als Herausforderung sieht, in Bezug auf Klimawandel, maritime Sicherheit, Politik, Ökonomie und Wissenschaft kompetentes Know-how zu bündeln und synergetische, integrative Lösungen zu finden.

Text: Jana M. Noritsch (Collectors Club Berlin)

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